Logistik

„Die Logistik zählt seit vielen Jahren zu den am stärksten wachsenden Wirtschaftsbranchen. […] Als wissenschaftliche Disziplin ist die Logistik zwar noch recht jung, sie ist dennoch in den letzten Jahren auf wichtigen Feldern zum Innovationstreiber der Wirtschaft geworden.“ (Evaluationsbericht der Expertenkommission unter Vorsitz von Prof. Manfred Prenzel 2018, S. 67)

Die Logistik ist treibende Kraft der Industrie 4.0 bzw. einer Social Networked Industry. Logistik ist die Grundlage des Welthandels. Sie verbindet Orte und Unternehmen in globalen Netzwerken – angefangen beim physischen Material- und Warenfluss über den Austausch von Daten bis hin zum Finanzfluss im logistischen Management. Wie keine andere Branche ist sie hochgradig standardisiert und für den übergreifenden Einsatz von Plattformen, Blockchains und Verfahren Künstlicher Intelligenz (KI) prädestiniert, da sie komplett „algorithmierbar“ ist. Mit KI ausgestattete Technik wie intelligente Container und Paletten, die autonom verhandeln und sich selbst zum Empfänger routen und bezahlen, oder Schwärme autonomer Fahrzeuge in den Fabriken und Logistikstandorten zeigen beispielhaft, wie Wertschöpfungsketten in Zukunft funktionieren. Die Digitalisierung wird abseits des Sichtbaren die gesamte Logistik vom einzelnen Teilprozess bis hin zu globalen Wertschöpfungsnetzwerken durchdringen.

Digitale Plattformen und ihre KI sind dabei entscheidend. Unter dem Zielbild („Big Picture“) einer „Silicon Economy“ – der vollständigen Virtualisierung von Wertschöpfungsnetzwerken – versammeln sich seit Frühjahr 2020 offene, föderale und umsetzungsstarke Konsortien aus Wirtschaft und Wissenschaft, in denen Technologien, de facto-Standards und neue Geschäftsmodelle schnell zusammengeführt und Open Source entwickelt werden. Dies stellt die Grundlage für eine wirtschaftliche Nutzung von KI-Lösungen mit neuen Services, Technologien und Anwendungen in Logistik und Supply Chain Management dar und ermöglicht die entscheidende Teilhabe für den deutschen Mittelstand. Nur wenn es am Standort Deutschland gelingt, eine wesentliche und aktive Rolle in einer logistischen Daten- und Plattformökonomie zu spielen, wird diese alles entscheidende Entwicklung unseren gesellschaftlichen Normen und Zielen folgen und der deutsche KI-Anspruch Wirklichkeit.

Die Expertenkommission zur Evaluation des Masterplans Wissenschaft 1.0 attestierte dem wissenschaftlichen Kompetenzfeld Logistik im Evaluationsbericht bereits im Jahr 2018, dass es aktiv und führend die Wissenschaftsdisziplin Logistik gestaltet und „[…] aufgrund seiner Größe, seines integrativen Ansatzes und seiner Ausrichtung national und international als führendes Forschungscluster der Logistik anzusehen ist“ (ebd., S. 68). Insofern ist es nur konsequent, dass das wissenschaftliche Kompetenzfeld Logistik sich mit diesem Zielbild der „Silicon Economy“ einen kohärenten thematischen Arbeitsschwerpunkt gibt. Durch die sich daraus ergebenden Perspektiven wird die Position des Wissenschaftsstandortes Dortmund weiter gestärkt.

Bild: Fraunhofer IML

Vernetzung

Eine interdisziplinäre Vernetzung der Logistik besteht insbesondere mit der Informatik und der Informationstechnik, aber auch mit den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der TU Dortmund. Ebenso gibt es eine enge Zusammenarbeit mit den Fraunhofer-Instituten IML und ISST.

In den nächsten Jahren soll das Kompetenzfeld Logistik noch stärker mit dem neuen wissenschaftlichen Kompetenzfeld Künstliche Intelligenz verzahnt werden. Das Fraunhofer IML ist bereits Partner des Kompetenzzentrums Maschinelles Lernen Rhein-Ruhr „ML2R“, das im wissenschaftlichen Kompetenzfeld KI mitwirkt. Zudem ist eine Intensivierung des Austauschs mit den wissenschaftlichen Kompetenzfeldern Produktionstechnik und Energie vorgesehen und mit dem neuen Kompetenzfeld Demografischer Wandel geplant. Mit den Kompetenzfeldern Produktionstechnik und Energie besteht u.a. bereits eine interdisziplinäre Kooperation im DFG-Graduiertenkolleg 2.193 „Anpassungsintelligenz von Fabriken im dynamischen und komplexen Umfeld“.

Perspektiven

Das Kompetenzfeld Logistik hat sich mit Start des Masterplans 2.0 neu formiert und unter Beachtung der Handlungsempfehlungen der Evaluation sowie des Zielbilds der „Silicon Economy“ die folgenden Zielsetzungen für den Masterplan Wissenschaft 2.0 identifiziert:

  • Ziel 1: Der thematische Fokus der Logistik entwickelt sich in Forschung und Anwendung dynamisch mit der rasanten technologischen Entwicklung und den wachsenden globalen Herausforderungen weiter. Das Kompetenzfeld möchte die Ausrichtung des fachlichen Schwerpunkts kontinuierlich und unter Einbindung aller Akteur*innen des Kompetenzfelds anpassen und proaktiv weiterentwickeln.
  • Ziel 2: Die Stärkung der wissenschaftlichen Vernetzung sowohl im Kompetenzfeld (auf „Dortmunder Ebene“) als auch regional, national und international wird neben der fachlichen Schwerpunktbildung als wesentliche Voraussetzung für eine aktive Rolle in der Wissenschaftsgemeinschaft gesehen.
  • Ziel 3: Um die Einbettung in die nationale und internationale Forschungslandschaft des Kompetenzfelds weiter zu festigen, muss die internationale Sichtbarkeit noch stärker verfolgt werden.
  • Ziel 4: Nicht nur die Stellung in der Wissenschaft, auch die Anerkennung durch die Wirtschaft über Anwendungsorientierung und Innovationstransfer definieren den Erfolg und sind damit ein Ziel des wissenschaftlichen Kompetenzfelds Logistik.

Abgeleitet aus diesen Zielen hat das wissenschaftliche Kompetenzfeld Logistik drei Projektansätze für den Masterplan Wissenschaft 2.0 definiert, die die vielen bestehenden Einzelaktivitäten bündeln und neue gemeinsame Aktivitäten anstoßen werden:

  • Dortmunder Logistikprogramm
  • Wissenschaftskommunikation und -kooperationen
  • Innovationstransfer

Das Fraunhofer-Institut IML spielt bei der Fortschreibung des Kompetenzfelds im Masterplan Wissenschaft 2.0 eine zentrale Rolle. Daher wird zeitnah eine Instituts-Erweiterung angestrebt, um die erfolgreiche Entwicklung der letzten Jahrzehnte zukünftig zu gewährleisten und den aktuellen Standortvorteil weiterhin sicherzustellen.

Beteiligte Organisationen